Die Hexe – Damals und heute

Die Hexe – Damals und heute

Was bedeutet das Wort Hexe eigentlich in der heutigen Zeit für uns, die in der westlichen Gesellschaft leben? Befragt man hierzu ein Kind, dann wird es eines der vielen Wesen aus Märchen und anderen Geschichten nennen, mit denen man aufwächst. Als Erwachsener beantwortet sich eine solche Frage hingegen nicht ganz so leicht. Zunächst kommt es natürlich einmal darauf an, ob man an Übernatürliches, also Hexerei oder Magie im Allgemeinen glaubt. Da wohl die Mehrheit der befragten Erwachsenen eher nicht davon überzeugt ist, dass es Hexen in Wirklichkeit gibt, gehen wir einfach mal von dieser Haltung aus. Mit dem Hintergrundwissen, den wir als Erwachsene zum Thema Hexen haben, können wir mit diesem Thema nicht ganz so unbeschwert umgehen wie kleine Kinder. Gerade in Bezug auf den mittelalterlichen Brauch der Hexenverfolgung und Hexenverbrennung, der in Anbetracht unserer heutigen Erkenntnisse grober Unfug war, ist es schwierig, das Thema unvoreingenommen anzugehen.

Die Definition und der dazugehörige Brauch

Die Definition der Hexe findet man im Internet unter den folgenden Worten: Die Hexe ist im Volksglauben eine mit Zauberkräften ausgestattete, meist weibliche, heil- oder unheilbringende Person, die im Rahmen der Christianisierung häufig mit Dämonen oder dem Teufel im Bunde geglaubt wurde. Wir lernen also: Es handelt sich bei der Hexe scheinbar meist um eine Frau, irgendwie logisch, denn es heißt ja auch die Hexe. Wiederum gibt es ja aber ebenfalls die Begriffe Hexer oder Hexenmeister. Des Weiteren beschreibt die Definition ganz deutlich, dass es sich bei der Hexe entweder um jemanden handeln kann, der Heil bringt, oder aber um jemanden, der Unheil bringt. Aus Sicht der Kirche und Gesellschaft waren Hexen wohl aber noch vor ein paar Jahrhunderten hauptsächlich Frauen, die Unheil über die Menschheit brachten, eben mit dem Teufel gemeinsames Werk machten. Die Legende sagt, dass sich die Hexen in der Walpurgisnacht (also in der Nacht auf den ersten Mai) mit dem Teufel auf dem Blocksberg (dem Brocken im Harz) trafen und mit ihm um ein riesiges Feuer tanzten. Der Brauch wird in weiten Teilen des Harzes noch heute jedes Jahr zur Walpurgisnacht gepflegt, doch mit positivem Hintergedanken. Die Hexen dürfen hier tatsächlich ungestört ums Feuer tanzen und werden nicht auf diesem verbrannt.

Ein großes Missverständnis

Während im Mittelalter und teilweise auch in den darauffolgenden Jahrhunderten als ungewöhnlich geltende Frauen oftmals in den Städten oder Dörfern mit Missernten, mit Störungen geborenen Kindern oder Todesfällen in Verbindung gebracht und dafür bestraft wurden, ist uns heute klar, dass es sich bei diesen Frauen einfach nur um einen Sündenbock handelte, der dafür geradestehen musste, was sich die einfachen Menschen nicht erklären konnten. Meistens handelte es sich dabei um Personen, die sich mit dem Thema Heilung oder Ernährung beschäftigten, sich mit Kräutern auskannten oder Ratschläge gaben. Das war den Menschen ungeheuer und so machten sie diese Personen für Unglücke verantwortlich, die sie angeblich im Pakt mit dem Teufel angerichtet hatten.

Das Bild der Hexe in den Augen der Kinder

Heute ist das Bild der Hexe hauptsächlich noch das, was Kinder von ihr haben. Zu Halloween verkleiden sich die Jüngsten mit Hexenhüten auf dem Kopf und einer Hakennase im Gesicht, sie lesen Harry Potter und kennen die Märchen, in denen Hexen meistens böse alte Frauen waren, die Kinder in den Ofen werfen wollten. Es ist schon noch in vielen Fällen eine gewisse Schauergestalt, die dort in den Geschichten auftaucht, doch Autoren und Erzähler bemühen sich immer mehr darum, die Hexe in einem guten Licht dastehen zu lassen. Dies begann bereits bei der Kultgeschichte „Die kleine Hexe“ des Autors Ottfried Preußler und geht bis zu den Hörspielgeschichten von der guten Hexe Bibi Blocksberg. Diese Gestalten nehmen bestimmt auch jedem Zweifler die Angst vor Hexen.